"Konrad Adenauer ist immer dabei"

Artikel, 05.08.2013
Konrad Adenauer und Charles de Gaulle in der Kathedrale von Reims (Foto: Bundesregierung / Egon Steiner)

In seiner aktuellen Kolumne im Dormagener Schaufenster erläutert CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, warum Konrad Adenauer in der CDU-Bundesgeschäftsstelle allgegenwärtig ist und wieso der Wahlkampfslogan "Keine Experimente" heute noch genauso aktuell ist wie 1957, als Adenauer mit diesem Slogan die Bundestagswahl gewann.

Von Hermann Gröhe

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es war ein kerniger Slogan: „Keine Experimente!“ So lautete vor der Bundestagswahl 1957 die zentrale Botschaft der CDU-Wahlplakate, auf denen das Gesicht des entschlossen vorausblickenden Konrad Adenauer zu sehen war.

Die ‚Keine Experimente!‘-Botschaft ist in gewisser Weise wieder hochaktuell, wenn man die Politik der letzten Jahre in Europa erlebt hat: 1957 ging es der CDU darum, die erfolgreiche Entwicklung der Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit nicht zu gefährden. 2013 geht es der CDU darum, den Aufschwung Deutschlands nach der europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2009/2010 fortzusetzen. Experimente, wie sie von anderen Parteien gerne vorgeschlagen werden, sind in solchen Situationen immer gefährlich. Einen umfassend erfolgreichen Kurs mit ruhiger Hand auch in schwieriger Zeit beizubehalten und so verlässliche, nachhaltige Politik zu gestalten: Das war und ist dagegen das Markenzeichen der CDU.

Konrad Adenauer hat der deutschen Politik und der CDU in vielfacher Hinsicht ein lehrreiches Erbe hinterlassen. Deshalb halten wir sein Andenken auch heute in Ehren. Die CDU-Bundesgeschäftsstelle in Berlin heißt „Konrad-Adenauer-Haus“, und eine große Fotogalerie in der Eingangshalle im Erdgeschoss zeigt deutlich, dass die Leistungen Konrad Adenauers bis heute die Politik der Bundesrepublik Deutschland prägen. Der Einsatz für ein friedlich vereintes Europa und für die Freundschaft Deutschlands mit den USA und mit Israel: Dies sind nur drei Beispiele für bleibende Orientierungslinien, die sich seit der Zeit Konrad Adenauers wie ein roter Faden durch die Politik der CDU ziehen – und lebensgroße Fotos davon finden sich direkt im Eingangsbereich der CDU-Bundesgeschäftsstelle. Wer das Konrad-Adenauer-Haus betritt, erblickt den langjährigen Bundeskanzler und Mitbegründer der CDU z. B. bei der Unterzeichnung der „Römischen Verträge“ im Jahre 1957, d.h. bei der „Geburtsstunde“ der heutigen Europäischen Union. Ein anderes Foto zeigt ihn Seite an Seite mit US-Präsident John F. Kennedy, der vor 50 Jahren in Berlin die historischen Worte „Ich bin ein Berliner!“ aussprach. Daneben ist ein Foto der ersten Begegnung Konrad Adenauers mit dem israelischen Premierminister David Ben Gurion zu sehen, der gemeinsam mit Adenauer die Annäherung zwischen Israel und Deutschland nach 1945 einleitete.

Bei aller Eile, die in Wahlkampzeiten immer geboten ist: Ich genieße es, „in einer ruhigen Minute“ durchzuatmen und auf die vielen Fotos von Konrad Adenauer in der CDU-Bundesgeschäftsstelle zu blicken. Die Fotogalerie zeigt Konrad Adenauer an verschiedenen Weg- und Wendepunkten der deutschen Zeitgeschichte - und das Bild von ihm und dem französischen Staatspräsidenten Charles de Gaulle am 8. Juli 1962 in der Kathedrale von Reims sehe ich mir in diesem Jahr besonders gerne an. Die Begegnung der beiden großen Staatsmänner im Sommer 1962 war ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur deutsch-französischen Aussöhnung nach dem II. Weltkrieg, und wenige Monate nach der Begegnung in Reims unterzeichneten Adenauer und de Gaulle in Paris den „Élysée-Vertrag“ über die deutsch-französische Freundschaft, deren 50-jähriges Bestehen wir in diesem Jahr feiern.

Konrad Adenauer und seine Leistungen sind für die CDU „lebendige Vergangenheit“. Dabei vergegenwärtige ich mir gerne auch das „Keine Experimente!“-Schlagwort – zumal die Bundestagswahl 1957 der Union ein traumhaft erfolgreiches Wahlergebnis bescherte.

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin
Ihr
Hermann Gröhe