Unterwegs als "Wanderzirkus"

Artikel, 27.06.2013
Hermann Gröhe unterwegs mit dem "Wanderzirkus" (Foto: VCI/Garchinger (c))

In seiner aktuellen Kolumne, die im Neusser Stadt-Kurier und im Erft-Kurier erschienen ist, berichtet CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe über den "Wanderzirkus", den die Generalsekretäre der im Bundestag vertretenen Parteien in Wahlkampfzeiten auf sich nehmen müssen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

bis zur parlamentarischen Sommerpause findet nur noch eine Sitzungswoche im Bundestag statt. Deshalb nimmt die allgemeine Hektik im politischen Tagesgeschehen derzeit spürbar zu. Eine Zwangspause bescherte nur so manchem der Besuch von US-Präsident Barack Obama dank der damit verbundenen Sicherheitskontrollen, Polizeiketten oder Straßensperren.

Ich freue mich derzeit auf den nahenden Wahlkampf, steigt in Wahlkampfzeiten doch bei vielen Menschen das politische Interesse. Aktuell prägt die Erarbeitung und Vorstellung der Wahlprogramme zur Bundestagswahl die Arbeit der Generalsekretäre aller Parteien. Damit ergeben sich auch immer mehr Gelegenheiten zum lebhaften Schlagabtausch mit der politischen Konkurrenz. Der „Wanderzirkus“, in dem die Generalsekretäre der verschiedenen Parteien auftreten, gastiert auf immer neuen Bühnen. Es geht in unseren „Elefantenrunden“ durchaus munter zur Sache. Klartext ist gefragt, der persönliche Umgang ist zumeist aber fair. Man kann uns fast als „eingespieltes Team“ bezeichnen. Der lockere Umgangston, etwa in der Maske vor einer Talkshow oder bei der anschließenden Mikrofonverkabelung, gehört für alle zum Tagesgeschäft. Die mitunter hitzigen Auseinandersetzungen um politische Inhalte sind für uns alle leichter zu bestreiten, wenn man davor und danach zu einem sportlichen Handschlag zusammenkommt. Und mitunter lassen wir politischen „Seiltänzer“ unser Publikum schmunzeln, wenn etwa einer von uns im munteren Wortgefecht vom kollegialen „Sie“ in das eher private „Du“ fällt.

Die Podien, auf denen wir mit unseren Argumenten und Attacken jonglieren, sind so zahlreich wie die Gesprächsthemen. Wir sind bei Stiftungen und gemeinnützigen Einrichtungen zu Gast, aber auch bei Verlagen oder Presse- und Rundfunkhäusern, bei der Verbraucherzentrale und, und, und... Dabei trägt mal dieser und mal jener aus unserer Generalsekretärsriege eher ein „Heimspiel“ aus. Natürlich hat meine Kollegin Andrea Nahles von der SPD leichteres Spiel als Patrick Döring (FDP), Alexander Dobrindt (CSU) oder ich, wenn wir z. B. beim Deutschen Gewerkschaftsbund zu Gast sind. Umgekehrt ist es, wenn wir drei z. B. vor Vertretern des Handwerks oder der Familienunternehmer die rot-grünen Steuererhöhungspläne kritisieren.

Zuletzt waren wir beim Verband der Chemischen Industrie (VCI) eingeladen. Auf Einladung von VCI-Präsident Karl-Ludwig Kley traf sich unser generalsekretärlicher „Wanderzirkus“ im ZDF-Hauptstadtstudio, um vor etwa 120 Gästen über die Industriepolitik und ihre Bedeutung für den Bundestagswahlkampf zu diskutieren. Wie können Energiepreise dauerhaft bezahlbar bleiben? Wie kann frühzeitig, am besten schon in der Grundschulzeit, mehr Begeisterung für Technik und Naturwissenschaften geweckt werden? Dies waren nur zwei der vielen Fragen, die in der Diskussion beim VCI angesprochen wurden – und da traf es sich gut, dass ich mit unserem Rhein-Kreis einen auch von der Industrie stark geprägten „Energiekreis“ in Berlin vertrete.

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin
Ihr
Hermann Gröhe

Die Kolumne von Hermann Gröhe ist am 26.06.2013 im Neusser Stadt-Kurier und im Erft-Kurier erschienen.