Von Politikern, Botschaftern, Freunden

Artikel, 02.05.2013
Hermann Gröhe mit dem chinesischen Botschafter in Deutschland, Shi Mingde

In seiner aktuellen Kolumne im Neusser Stadt-Kurier berichtet CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe über die Begegnungen mit verschiedenen Botschaftern in Berlin.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Die Welt zu Gast bei Freunden“, so laute-te das Motto der Fußball-WM 2006. Es sind mehrere Jahre seit dem damaligen „Sommermärchen“ vergangenen. Aber das gelungene Motto wird landauf, landab auch heute noch gelebt: Menschen aus aller Welt kommen nach und leben gerne in Deutschland, schließen hier Freundschaften. Auch ich habe auf dem internationalen „Parkett“ erlebt, wie sich gute Kontakte zu echten Freundschaften entwickeln können, sind doch Begegnungen und der Gedankenaustausch mit vielen Botschaftern ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit.

Das gilt insbesondere für Philip D. Murphy, den Botschafter der USA, der mehrfach im Rhein-Kreis Neuss zu Gast war. Philip D. Murphy hat sich auf vielfältige Weise um die deutsch-amerikanischen Beziehungen verdient macht. Der Anlass unseres letzten Kontakts war leider ein trauriger: Philip D. Murphy wurde bei Boston geboren - und es ist klar, dass ich meinem Freund meine Anteilnahme nach den schrecklichen Attentaten in seiner Heimat ausgesprochen habe.

Ich habe mich zudem gefreut, vor wenigen Tagen mit den Botschaftern Luxemburgs, Belgiens und der Niederlande über ver-schiedene Fragen der Europapolitik zu sprechen - und über die freundschaftlichen Bande, mit denen die Benelux-Staaten nicht zuletzt mit unserer rheinischen Heimat in gut nachbarschaftlicher Weise verbunden sind. Dazu passt es gut, dass die luxemburgische Botschaft in unmittelbarer Nähe des Konrad-Adenauer-Hauses liegt.

Gerne pflege ich auch die Beziehung zu Avi Primor, der bis zum Jahr 1999 israeli-scher Botschafter in Deutschland war und in diesem Amt viel Gutes im deutsch-israelischen Dialog bewirkt hat. Inzwischen ist Herr Primor u. a. Mitglied im Hochschulrat der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf - und ich freue mich, dass wir uns bei seinen regelmäßigen Deutschlandbesuchen oft wiedersehen können.

In der vergangenen Woche konnte ich mich bei der Begegnung mit Shi Mingde, dem chinesischen Botschafter in Deutschland, darüber freuen, dass dieser die Zusammenarbeit zwischen dem Rhein-Kreis Neuss und der Stadt Wuxi als „vorbildlich“ bezeichnete. Was für ein schönes Kompliment für unsere gesamte Region! Herr Shi ist, wie auch sein Besuch im Rhein-Kreis im vergangenen Februar zeigte, ein kluger Gesprächspartner. Deshalb war er auch bei meinen Fragen zur Religionsfreiheit und anderen Menschenrechten in der Volksrepublik China bemerkenswert offen - Fragen, bei denen in der Vergangenheit der Ton eher rau wurde. Auch ist interessant, dass Herrn Shis Ehefrau eine besondere Brücke zwischen Deutschland und China baut: Sie übersetzt Heinrich Böll in die chinesische Hochsprache.

Der Kontakt zu den vielen Botschaftern hat also immer verschiedene Facetten - und das gilt auch für die Botschaften, die sich im gesamten Berliner Stadtgebiet finden. Das reicht von funkelnden Glanzpunkten der Architektur unserer Zeit wie der südafrikanischen Botschaft bis hin zur burundischen Botschaft, die in einem grauen Mehrfamilienhaus neben einer Zahnarztpraxis bzw. über einem Blumenladen beheimatet ist. So spiegeln die Botschafter und die Botschaften in Berlin Vielfalt und Gegensätze unserer einen Welt.

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin
Ihr
Hermann Gröhe