„Berliner Notizen“: Grippeviren und Bücherrücken

Artikel, 30.03.2014

In seinen aktuellen „Berliner Notizen“ im Neusser Stadt-Kurier berichtet Hermann Gröhe von seinem ersten Besuch im Robert Koch Institut (RKI).

Von Hermann Gröhe

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Abkürzungen sollen uns allen das Leben erleichtern, und in der Politik gibt es viele davon. Ich bin als Bundesgesundheitsminister vor kurzem allerdings über eine Abkürzung gestolpert, die sich als kleiner Zungenbrecher erweist: RKI. Sie werden vielleicht ebenfalls feststellen, dass RKI irgendwie „sperrig“ klingt, wenn man es ausspricht.

Aber von meinem ersten Besuch im RKI berichte ich Ihnen gerne, denn das Robert-Koch-Institut, das mit diesem Kürzel bezeichnet wird, ist eine der interessantesten wissenschaftlichen Einrichtungen des deutschen Gesundheitssystems. Das Robert-Koch-Institut wurde bereits in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts in Berlin gegründet – damals noch unter Obhut der preußischen Krone. Die Zeiten haben sich in vielerlei Hinsicht gewandelt, und heute gehört die Einrichtung zum Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit. Aber die zentrale Aufgabe dieses besonderen Instituts ist geblieben: Das RKI erforscht und untersucht Infektionskrankheiten und zeigt mögliche Maßnahmen zu deren Bekämpfung auf.

Robert Koch (1843 – 1910), nach dem das Institut benannt ist, gilt seit seiner Entdeckung mikroskopisch kleiner Erreger als Ursache für zahlreiche Infektionskrankheiten als einer der bedeutendsten Mediziner seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert. Die durchaus strenge Miene des Medizinnobelpreisträgers von 1905 blickt noch heute von zahlreichen alten Fotografien auf die Forscherinnen und Forscher im Robert-Koch-Institut. Was mich dabei besonders freut: Ich habe im vergangenen Monat den deutlichen Eindruck gewonnen, dass Robert Koch mit den Ergebnissen, die noch heute in „seinem“ Institut erzielt werden, überaus zufrieden wäre. Was im RKI geleistet wird, ist wahrlich beeindruckend!

Die besonders traditionsreiche Bibliothek, die ich besichtigen konnte, und die geschichtliche Entwicklung des RKI seit deutlich mehr als 100 Jahren sind außergewöhnlich. Ich gebe aber zu: Ich fand den Blick auf mehrere elektronenmikroskopische Darstellungen von verschiedenen Viren und Bakterien besonders spannend. Was das RKI für uns alle leistet, will ich daher an einem besonders anschaulichen Beispiel verdeutlichen - gerade jetzt, da der Winter vergangen ist. Das RKI nimmt viele Aufgaben zur Überwachung und Bekämpfung der Grippe wahr. So werden z. B. in der „Ständigen Impfkommission“ des Instituts Empfehlungen darüber erarbeitet, für wen eine Grippeschutzimpfung besonders wichtig ist. Die Weiterentwicklung bestehender medizinischer Methoden, die Erarbeitung eines deutschlandweiten „Gesundheitsmonitorings“ und die Festlegung von wissenschaftlichen Standards sind weitere wichtige Aufgaben des RKI. Das alles sind sehr gute Beispiele dafür, welchen konkreten Nutzen die medizinische Forschung für unseren Alltag hat!

Besuche in medizinischen Einrichtungen und der Gedankenaustausch mit zahlreichen Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft sind in meinen ersten Monaten als Bundesminister für Gesundheit besonders wichtig. Deshalb führte mein Weg in den vergangenen Wochen z. B. auch in das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und in das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, also zum IQWiG und zum BfArM. Sollte ich mich jemals über die Abkürzung RKI gewundert haben...?

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin
Ihr Hermann Gröhe