Berliner Notizen: "Ich bin der Neue"

Artikel, 06.02.2014

In seinen aktuellen „Berliner Notizen“ im Neusser Stadt-Kurier berichtet Hermann Gröhe von seinen ersten Wochen als Bundesminister für Gesundheit – und von einem „malerischen“ Geschenk aus dem Rhein-Kreis Neuss in seinem neuen Büro.

Von Hermann Gröhe

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die Umzugskisten sind längst ausgepackt. Das neue Büro im Bundesministerium für Gesundheit in der belebten Berliner Friedrichstraße ist schon zur gewohnten Umgebung geworden. Vor etwa einem Monat habe ich mein Arbeitszimmer in der CDU-Bundesgeschäftsstelle verlassen. Wehmut war dabei, aber auch große Vorfreude auf eine neue, spannende Aufgabe.

Ich war sehr gerne Generalsekretär der CDU, jener Partei, der ich an meinem 16. Geburtstag in Neuss beigetreten bin - früher ließ es das Parteigesetz nicht zu. Viele Jahre danach haben wir bei der Bundestagswahl 2013 das beste Unionsergebnis seit mehr als 20 Jahren erzielt – ein großartiger Vertrauensbeweis für Angela Merkel und eine starke Mannschaftsleistung, auf die wir stolz sein können.

Vier Jahre Generalsekretär, nun also Bundesminister. Manches verbindet diese Aufgaben, anderes ist sehr verschieden. In beiden Aufgaben geht es um die Steuerung, Weiterentwicklung und öffentliche Erläuterung von politischen Prozessen und oft um faire Kompromisse. Der Generalsekretär jedoch ist eben der „Generalist“ und verantwortet den Kurs der eigenen Partei insgesamt, den er im Wettstreit mit den anderen Parteien zur Geltung bringt. An der Spitze eines Bundesministeriums geht es dagegen um die Verantwortung für die konkrete Ausgestaltung eines bestimmten Politikfeldes. Und vom Politikfeld „Gesundheit“ sind wir alle betroffen - von der Geburt im Kreißsaal bis zur Pflegebedürftigkeit im hohen Alter. Wir alle wollen uns bei Krankheit, Unfall oder Pflegebedarf auf eine menschlich wie fachlich gut qualifizierte Zuwendung verlassen können. Der menschliche Charakter unserer Gesellschaft muss sich gerade in einem guten Umgang mit Kranken und Pflegebedürftigen zeigen. Das ist aus meiner Sicht zentral für eine Politik auf der Grundlage von christlichen Werten.

Natürlich geht es in der Gesundheitspolitik nicht immer um hohe ethische Ansprüche, sondern mitunter auch um gegensätzliche Interessen, die es auszugleichen gilt. Doch lautstark vertretene Interessen gibt es auch in anderen Politikfeldern. Mir ist also nicht bange vor den verschiedenen „Lobbygruppen“, die für ihre Interessen werben. Vielmehr freue ich mich darauf, in diesen Tagen, die vielen „Mitspieler“ in unserem Gesundheitswesen kennen zu lernen: Die Spitzen der Ärzteschaft und der Selbsthilfeorganisationen, die Vertreter der Pflegekräfte, der Krankenversicherungen und der Wissenschaft... Dazu kommen Gespräche mit den Kolleginnen und Kollegen in den Ländern. Und kürzlich besuchte mich der EU-Kommissar für Gesundheit und Verbraucherschutz, Tonio Borg aus Malta.

Die Zusammenarbeit mit den vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Ministerium macht Freude. Am Ende der ersten Arbeitswoche habe ich vom Leitungsbereich im 6. Stock bis zur Poststelle im Erdgeschoss jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter am Berliner Dienstsitz aufgesucht und mich persönlich vorgestellt: Ich bin der Neue. Ich freue mich auf die Zusammenarbeit! Zudem waren mehrere Personalentscheidungen zu treffen, um das neue Leitungsteam des Ministeriums zusammenzustellen, vom beamteten Staatssekretär bis zu meiner neuen Pressesprecherin.

An unsere Heimat erinnern mich im neuen Büro zwei großartige Gemälde unseres früheren Landrates Dieter Patt, die in kraftvollen Farben das Neusser Obertor und St. Quirin zeigen. Besuch aus der Heimat gab es ebenfalls bereits: Meine Frau Heidi und unser Sohn Matthias waren schon am Tage meiner Vereidigung als Bundesminister im neuen Büro. Und es hat mich besonders gefreut, im neuen Jahr als ersten Besucher aus dem Rhein-Kreis Dr. Heinz Günther Hüsch im Ministerium begrüßen zu können – jenen „Altmeister“ der Neusser CDU, dem auch ich wesentliche Anregungen für meine Arbeit verdanke. Nun freue ich mich auf die Arbeit in den nächsten vier Jahren, deren Grundsätze ich vor wenigen Tagen im Bundestag erläutert habe. Und gerne halte ich auch Sie auf dem Laufenden!

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin
Ihr Hermann Gröhe