"Berliner Notizen": Jesu Botschaft in die Welt hinaustragen!

Artikel, 30.11.2016
Bereits mehr als 500.000 Mal verkauft: Die Playmobil-Figur Martin Luthers (Foto: privat)

In seinen "Berliner Notizen", die regelmäßig im Neusser "Stadt-Kurier" erscheinen, berichtet Hermann Gröhe diesmal über seine ehrenamtliche Arbeit als Mitglied der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

prima, das Ende des alten und der Beginn des neuen Kirchenjahres sind immer ein besonders guter Zeitpunkt, um das kirchliche Leben mitzugestalten. Martin Luther selbst hat bereits das „Priestertum aller Gläubigen“ gelehrt. Kernaussage: Wer getauft ist, trägt bereits dadurch eine Mitverantwortung dafür, die Botschaft Jesu in die Welt zu tragen - Punkt.

Ich habe mich deshalb darüber gefreut, vor Kurzem einmal mehr meiner Arbeit im zweiten Parlament nachzugehen, in dem ich neben dem Deutschen Bundestag bin - und das ist die Synode (Altgriechisch für: „Versammlung“) der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Mitglied dieses traditionsreichen „Kirchenparlaments“ bin ich schon seit 1997, dem Jahr, in dem ich erstmalig auch dem Rat der EKD - also gleichsam der „Kirchenregierung“ - angehörte.

Ich bin überzeugt: Es tut der Politik gut, wenn sich politisch Verantwortliche neben dem Tagesge-schehen (und trotz eines dichten Terminkalenders) ehrenamtlich einsetzen - in Gewerkschaften, in Vereinen, im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich... Oder eben in den Kirchen. Der ehrenamtliche Einsatz in der EKD liegt mir sehr am Herzen. Und in meiner Zeit als Vorsitzender des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirchengemeinden Neuss e. V. habe ich von 2000 bis 2008 in der Altenpflege, der Hospizarbeit und der Gemeindepsychiatrie viele wichtige Erfahrungen gesammelt, die mir heute in meiner Arbeit als Bundesgesundheitsminister zugute kommen. Aus dem Rat der EKD habe ich mich im Jahr 2009 zurückgezogen, als ich CDU-Generalsekretär wurde. Die Arbeit als Synodaler setze ich aber fort, da das Wort der Kirchen und die Orientierung an christlichen Werten in unserer wechselvollen Zeit immer wichtiger werden.

Die Tagungen der Synode sind immer ein wahrlich aufbauendes Erlebnis - durch feierliche Gottesdienste ebenso wie durch viele muntere, offene und - natürlich - auch kontroverse Diskussionen und das Wiedersehen mit vielen Weggefährtinnen und -gefährten, denen man sonst nicht begegnet. Die Schwerpunktthemen der letzten Tagung der Synode waren Anfang November 2016 in Magdeburg die Integration von Flüchtlingen und der Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. „So wirst Du leben“ (Lk 10,28) lautete das biblische Motto der Tagung - und deutlich wurde in Magdeburg, dass eine Rückbesinnung auf die europäische Einigung von entscheidender Bedeutung für eine gemeinsame Zukunft ist. „Uns kann der Zustand der Demokratie nicht egal sein“, betonte zudem Dr. Irmgard Schwaetzer, Bundesministerin a. D., als Vorsitzende der Synode. Wahre Worte. Nächstenliebe ist einer der ureigenen christlichen Werte.

Um jetzt aber eine denkbare Frage zu beantworten: Was macht denn die Synode der EKD? - Sie ist eines der drei Leitungsorgane der evangelischen Kirche neben dem Rat der EKD und der Kirchenkonferenz der EKD, die von den Leitungen der einzelnen so genannten „Gliedkirchen“ der EKD gebildet wird. Die Synode besteht derzeit aus 120 Mitgliedern - 100 von ihnen werden durch die Synoden der 20 „Gliedkirchen“ gewählt, also auch durch die Synode unserer Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR). 20 weitere Synodale beruft der Rat der EKD. Dabei handelt es sich oft um  Persönlichkeiten, die für die gesamte evangelische Kirche von Bedeutung sind. Dieser Gruppe der Synodalen gehöre auch ich seit 19 Jahren und damit als einer der Dienstältesten an.

Eine Synode wird jeweils für sechs Jahre gebildet. Gemeinsam mit dem (gewählten) Präsidium und in verschiedenen Ausschüssen organisiert, hat die Synode dann ganz verschiedene Aufgaben wahrzunehmen - von der Ausarbeitung von Beschlüssen zu vielen wichtigen gesellschaftlichen Fragen über die Begleitung der Arbeit des Rates der EKD durch Richtlinien bis zum Beschluss des Haushalts. Ich selbst gehöre dem Ausschuss „Kirche, Gesellschaft und Bewahrung der Schöpfung“ an. Gemeinsam und durch viele Gespräche in der gebotenen Ruhe ist in den Ausschüssen Vieles zu tun und Vieles zu erreichen: Das ist eine wichtige Voraussetzung für parlamentarische Arbeit, im Bundestag ebenso wie im kirchlichen Leben. Deshalb wird die Synode der EKD durch weitere Parlamente der kirchlichen Selbstver-waltung ergänzt - durch die Landessynoden in den „Gliedkirchen“ der EKD und die Dekanats- oder Kreissynoden in den kirchlichen Bezirken... Gelebte Demokratie unter dem Kirchendach!

Ich stelle immer wieder fest: Es verleiht Kraft, sich für die Kirche einzusetzen! Schon heute freue ich mich auf die nächste Tagung der Synode der EKD, bevor am 31. Oktober 2017 der 500. Jahrestag der Veröffentlichung der 95 Thesen Martin Luthers gefeiert wird. Und dann heißt es auch für mich: Auf nach Wittenberg!

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin

Ihr

Hermann Gröhe MdB

Mitglied des Deutschen Bundestages

Bundesminister für Gesundheit

www.hermann-groehe.de

(Erschienen im Neusser "Stadt-Kurier" am 30. November 2016.)