"Berliner Notizen": Neusser "Leuchtturm" wird in Berlin viel gelobt

Artikel, 04.09.2017
Foto: Elke Haeffs

In seinen "Berliner Notizen", die regelmäßigbim Neusser "Stadt-Kurier" erscheinen, berichtet Hermann Gröhe, Bundesminister für Gesundheit und der driekt gewählte Bundestagsabgeordnete für Neuss, Dormagen, Grevenbroich und Rommerskirchen, diesmal vom Thema Demenz.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das war bewegend: Ich konnte vor Kurzem im Neusser St. Augustinus Memory-Zentrum zwei beeindruckende Ausstellungen zum Thema Demenz und Vergessen eröffnen. Dies waren die Ausstellung "Erinnerung" der deutschlandweit bekannten Fotokünstlerin Laurence Chaperon und die Ausstellung "Spuren suchen" des St. Augustinus Memory-Zentrums, die zeigt, wie sich an Demenz erkrankte Menschen mit dem Thema Erinnerung auseinandersetzen. Die Fotos der Ausstellung "Spuren suchen" finden großen Anklang bei allen Bewohnern und Besuchern und werden daher bis Ende September das Memory-Zentrum verschönern.

Ja, ich weiß: Das Thema Demenz ist eine Herausforderung. Aber es gehört in die breite Öf-entlichkeit - zumal derzeit etwa 1,6 Millionen demenziell erkrankter Menschen in ganz Deutschland leben.

Die Diagnose Demenz stellt Betroffene wie Angehörige vor große Herausforderungen. Denn noch immer fehlen wirksame Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb sind Forschung für Fortschritte in der Behandlung, aber auch neue Ansätze für die Versorgung betroffener Mitmenschen erforderlich. Daran arbeiten in unserem Land z. B. die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in Bonn. Sie spielen dabei weltweit inzwischen eine führende Rolle: Das DZNE betreibt eingehende Grundlagenforschung über die Ursachen von Krankheiten des Nervensystems wie Alzheimer oder Parkinson. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse sollen Betroffenen so schnell wie möglich zugute kommen. Die umfassende Forschung ist deshalb am Bonner Standort unter einem Dach gebündelt: Der dafür erforderliche Neubau des DZNE wurde im letzten März von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel eingeweiht.

Und ein weiterer "Leuchtturm" mit Blick auf die Erforschung von Demenz, die Versorgung Betroffener und die Beratung Angehöriger ist in Neuss entstanden: Mit dem St. Augustinus Memory-Zentrum haben die St. Augustinus-Fachkliniken und die St. Augustinus-Seniorenhilfe zukunftsweisende Maßstäbe gesetzt - mitten bei uns im Rhein-Kreis. Das Zentrum ist eine vielfältig hilfreiche Anlaufstelle für demenziell Erkrankte und ihre Familien. Denn es bietet ambulante und stationäre Versorgung mit besten Bedingungen, zahlreiche Beratungsangebote und Forschung - ebenfalls gebündelt unter einem Dach.

Aus diesem Grund ist es auch ein bestens geeigneter Standort für die zuvor genannten Ausstellungen. Diese können dazu beitragen, dass sich noch mehr Menschen als bisher mit dem Thema Demenz befassen. Denn wichtig ist, sich klug, behutsam und umsichtig mit der Lage Demenzkranker auseinanderzusetzen - nicht zuletzt, um ihnen und auch ihren Angehörigen eine bessere gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.

"Demenz braucht Dich": Das ist das Leitwort der deutschlandweiten Initiative "Demenz Partner", die 2016 von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft, dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesfamilienministerium gestartet wurde. Denn jede und jeder von uns kann im Alltag dazu beitragen, die Lebensbedingungen demenzkranker Mitmenschen zu verbessern. Das ist das Ziel der 90-minütigen Ausbil-dung zum "Demenz Partner", die von der Initiative für den bestmöglichen Umgang mit Menschen mit Demenz kostenlos angeboten wird (www.demenz-partner.de).

Wie ich schon schrieb: Das Thema Demenz ist eine Herausforderung - und diese haben wir angenommen, auch in der Politik. Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz erhalten seit dem 1. Januar 2017 erstmals alle Pflegebedürftigen endlich einen gleichberechtigten Zugang zu Pflegeleistungen - unabhängig davon, ob sie an körperlichen Beschwerden oder einer Demenz erkrankt sind. Das Thema Demenz stellt uns alle vor besondere Herausforderungen, die wir nur gemeinsam meistern können!

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin

Ihr Hermann Gröhe

Mitglied des Deutschen Bundestages

Bundesminister für Gesundheit

www.hermann-groehe.de

(Erschienen im Neusser "Stadt-Kurier" vom 2. September 2017.)