"Berliner Notizen": Von Pizzastücken und Gesundheitswissen

Artikel, 25.01.2017
Dorothea Khairat von der Verbraucherzentrale Neuss im Gespräch mit Hermann Gröhe (r.) - Foto: Elke Haeffs

Was ist zu tun, um das Wissen über einen gesunden Lebensstil zu erweitern? - Diese Frage steht im Mittelpunkt der neuen "Berliner Notizen" von Hermann Gröhe, die heute im Neusser "Stadt-Kurier" erschienen sind.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

eine kurze Rückblende in die wirklich (!) tiefen 80er Jahre: Die jungen drei Damen von Bananarama bestellen im Videoclip zu "Robert de Niro's waiting" nicht nur Pizza, sondern essen diese auch noch... - Pizza! Ja, ernsthaft! Fettige, heiße, golden käseverkrustete, brutzelnde Pizza - ohne eine Spur von Gemüse! Das wäre im Video zu jedem heutigen chartbreaker undenkbar. Man stelle sich die holden Grazien und jungen Recken, die sich aktuell in den Hitlisten bis ganz nach oben singen, in ihren Videos mit Pizza vor: Der shitstorm wäre grenzenlos!

Tja, in den 80er Jahren gab es sie eben noch nicht: IN FORM, die Initiative für gesunde Ernährung und mehr Bewegung, die von der unionsgeführten Bundesregierung im Jahr 2008 ins Leben gerufen wurde (www.in-form.de). IN FORM ist im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) und im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) beheimatet und hat sich (auch online) zu einer erfolgreichen Plattform entwickelt. Der Gedankenaustausch zu  Fragen eines gesunden Lebensstils zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Vertreterinnen und Vertretern der Politik, der Wissenschaft und der Wirtschaft steht hier im Mittelpunkt und wird weiter fortgesetzt. Gut so! Denn ausreichende Bewegung und eine gesunde Ernährung sind für uns alle besonders wichtig, von den Tagen als Kleinkind bis ins hohe Alter.

Das Thema "Verbraucherbildung" treibt mich übrigens immer wieder um. Kernfrage: Was ist zu tun, um das Wissen über einen gesunden Lebensstil und gesundheitliche Fragen in Deutschland zu erweitern? - Antworten gibt - neben IN FORM - z. B. das breit angelegte Präventionsgesetz, das bereits 2015 in Kraft getreten ist. Das Gesundheitswissen in der breiten Bevölkerung zu verbessern und auch die Selbstbestimmung von Patientinnen und Patienten zu stärken, ist ein wesentliches Ziel des Gesetzes. Zudem strebt es an, Gesundheitswissen direkt dort zu vermitteln, wo Menschen leben, lernen und arbeiten - von der Kita über die Schule und den Arbeitsplatz bis in Senioreneinrichtungen.

Wir sind auf einem guten Weg - auch dank des Nationalen Aktionsplans Gesundheitskompetenz, für den ich 2016 die Schirmherrschaft übernommen habe. Eine wenig bekannte Tatsache: 54 Prozent, also mehr als die Hälfte (!), der Gesamtbevölkerung in Deutschland fühlen sich von der Informationsflut zu gesundheitlichen Themen überfordert. 44 Prozent haben eine eingeschränkte, zehn Prozent sogar eine unzureichende Gesundheitskompetenz. Das hat eine aktuelle Studie der Universität Bielefeld ergeben - und dem wirken der AOK-Bundesverband, die Hertie-School of Governance und die genannte Hochschule gemeinsam mit einem umfassenden Aktionsplan entgegen (www.nap-gesundheitskompetenz.de).

Klar ist zudem, dass unabhängige, gute Gesundheitsinformationen für alle besonders wichtig sind - ebenso wie gute Beratungsangebote. Die Arbeit des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG - www.iqwig.de) und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA - www.bzga.de) ist deshalb hervorzuheben. Gleiches gilt z. B. aber auch für die "Weiße Liste" (www.weisse-liste.de), einen unabhängigen, werbefreien Wegweiser durch unser Gesundheitswesen, oder für die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (www.patientenberatung.de), auf die ich gerne hinweise. Hilfreich sind zudem die AOK-"Faktenboxen" (www.aok.de/inhalt/faktenboxen-gesundheit) rund um ganz verschiedene Fragen der Gesundheit, ebenso wie vergleichbare Serviceangebote auch anderer Krankenkassen... Der Weg zu gut verständlichen Tipps zum Gesundheitswissen ist online denkbar kurz!

Und wenn man statt des Internets "das richtige Leben" vorzieht: Auch die Verbraucherzentrale leistet verlässliche und unabhängige Beratung in den Bereichen Pflege und Gesundheit. Das gilt auch hier bei uns - in Dormagen wie in Neuss. Natürlich suche ich als Bundestagsabgeordneter und Bundesminister auch mit der Verbraucherzentrale den Gedankenaustausch - Jahr für Jahr (und zuletzt im vergangenen Herbst) in Dormagen und erst kürzlich in Neuss, wo die Zentrale am Meererhof 1 a neue Räumlichkeiten eröffnet hat. Das Team der Verbraucherzentrale steht hier in bewährter Weise auch in gesundheitlichen Fragen mit "Rat und Tat" zur Seite: Klasse!

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin

Ihr

Hermann Gröhe MdB

Mitglied des Deutschen Bundestages

Bundesminister für Gesundheit

www.hermann-groehe.de