Zum Deutschen Katholikentag 2018: Interview mit dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (RND)

Artikel, 10.05.2018
Foto: Hermann Gröhe

Herr Gröhe, Sie sind Protestant und fahren zum Katholikentag nach Münster. Warum?

Zum einen bin ich Beauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Kirchen und Religionsgemeinschaften, zum anderen kann man als Christ auf solchen Treffen durch das Gemeinschaftserlebnis kräftig auftanken. Es geht um Ermutigung, sein Christsein engagiert zu leben. Das gilt für Christen aller Konfessionen.

Der Katholikentag versammelt in Münster Gläubige unter dem Slogan "Suche Frieden". Hat dies unter dem Eindruck des durch die USA einseitig aufgekündigten Atomabkommens an Bedeutung gewonnen?

Wenn wir allein an die schrecklichen Auseinandersetzungen in Syrien oder im Jemen denken, war das Thema schon vorher dringlich. – und es passt zu Münster der Stadt des westfälischen Friedens. Aber sicher: Nun rückt wieder in den Vordergrund, wie wir mit dem Streben nach atomarer Bewaffnung umgehen. Europa steht ja zum Iran-Abkommen. Zugleich halten wir mit den USA einen atomar bewaffneten Iran für inakzeptabel - nicht zuletzt angesichts seiner aggressiven Drohungen gegen Israel.

Die Kirchen in Deutschland engagieren sich stark in der Flüchtlingshilfe, bis hin zum Kirchenasyl. Gehören Sie auch zur "Anti-Abschiebe-Industrie", wie CSU-Landesgruppenchef Dobrindt Anwälte und Hilfsorganisationen anprangerte?

Kirchen und Bürger haben in der Unterstützung ankommender Flüchtlinge in den vergangenen Jahren enormes geleistet. Ich bin selbst Anwalt und respektiere die Arbeit von Kollegen, die Möglichkeiten ausschöpfen, die unsere Rechtsordnung vorsieht. Einen Punkt trifft Dobrindt jedoch mit seiner provokanten Äußerung: Es gibt Menschen ohne Bleibeperspektive, die ihren Aufenthalt in Deutschland verlängern, indem sie ihre rechtliche Mitwirkungspflicht – beispielsweise durch Verschleierung ihres Herkunftslands – verweigern. Daraus kann aber kein Bleiberecht werden. Das so genannte Kirchenasyl betrifft hingegen nur einzelne Härtefälle. Das ist auch klar zwischen dem Bundesamt für Migration und den Kirchen geregelt.

Unter Politikern und in den Kirchen ist der Kruzifix-Erlass der bayrischen Landesregierung umstritten. Was halten Sie davon?

Ich freue mich über Kreuze im öffentlichen Raum. Sie stehen auch für die besondere christliche Prägung unseres Gemeinwesens. Politiker sollten jedoch den Eindruck vermeiden, dass sie die Debatte darüber zum Wahlkampf nutzen. Und Kirchenvertreter sollten den Eindruck vermeiden, sie hätten etwas gegen Kreuze im öffentlichen Raum.

Der Antisemitismus wächst in Deutschland. Sehen sie darin auch eine Folge des Flüchtlingsstroms aus dem arabischen Raum?

Ich bin dankbar für die lebendigen jüdischen Gemeinden Deutschlands und entsetzt über jede antisemitische Äußerung oder Tat. Antisemitismus ist allerdings viel älter als die Zuwanderung aus muslimischen Ländern. Mich hat schon in den 1980-ern Jahren beschämt, dass die Polizei Synagogen, jüdische Schulen oder Kindergärten in Deutschland schützen muss - bis heute. Diesen skandalösen Umstand dürfen wir niemals aus den Augen verlieren. Es hilft aber auch nicht zu verschweigen, dass es Probleme mit Antisemitismus bei Flüchtlingen aus Ländern gibt, in denen der Hass auf Israel und die Juden tief verwurzelt ist.

Unter Politikern und in den Kirchen ist der Kruzifix-Erlass der bayrischen Landesregierung umstritten. Was halten Sie davon?

Ich freue mich über Kreuze im öffentlichen Raum. Sie stehen auch für die besondere christliche Prägung unseres Gemeinwesens. Politiker sollten jedoch den Eindruck vermeiden, dass sie die Debatte darüber zum Wahlkampf nutzen. Und Kirchenvertreter sollten den Eindruck vermeiden, sie hätten etwas gegen Kreuze im öffentlichen Raum.

Der Antisemitismus wächst in Deutschland. Sehen sie darin auch eine Folge des Flüchtlingsstroms aus dem arabischen Raum?

Ich bin dankbar für die lebendigen jüdischen Gemeinden Deutschlands und entsetzt über jede antisemitische Äußerung oder Tat. Antisemitismus ist allerdings viel älter als die Zuwanderung aus muslimischen Ländern. Mich hat schon in den 1980-ern Jahren beschämt, dass die Polizei Synagogen, jüdische Schulen oder Kindergärten in Deutschland schützen muss - bis heute. Diesen skandalösen Umstand dürfen wir niemals aus den Augen verlieren. Es hilft aber auch nicht zu verschweigen, dass es Probleme mit Antisemitismus bei Flüchtlingen aus Ländern gibt, in denen der Hass auf Israel und die Juden tief verwurzelt ist.

Das Interview führte Thoralf Cleven.