Interview mit der Bild-Zeitung

Artikel, 27.02.2017
Foto: BMG / Jochen Zick (action press)

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe zum Bundestagswahlkampf 2017

BILD: Herr Gröhe, hat die Union Angst vor Wahlkampf?

Hermann Gröhe: „Überhaupt nicht. Wir freuen uns auf den Wahlkampf. Wie kommen Sie darauf?"

BILD: Weil Sie nicht auf Schulz reagieren.

Gröhe: „Die Union schweigt nicht. Die SPD schreit ja schon ,Schmutz-Kampagne', wenn man zwei Zitate von Herrn Schulz einem Faktencheck unterzieht. Der Zugewinn der SPD in den Umfragen spiegelt auch die Verzweiflung der Genossen an Sigmar Gabriel wider und ist ein Stück Anerkennung für dessen Rückzug. Der Wahlkampf wird hart, aber wir werden ihn fair führen."

BILD: Ist der Zulauf für Schulz ein Misstrauensvotum gegen Merkel?

Gröhe: „Nein. Angela Merkel genießt großes Vertrauen in der Bevölkerung. Dass SPD-Anhänger einen eigenen Mann als Kanzler sehen wollen, ist doch normal."

BILD: Im Wahlkampf 2013 sagte die Kanzlerin „Sie kennen mich". Funktioniert das noch einmal?

Gröhe: „Damals wie heute treten wir mit einer guten Bilanz, Vertrauen in die Kanzlerin und einem Programm für die Zukunft an. Die Deutschen wissen, was sie an Angela Merkel haben. Bei Schulz merken sie Tag für Tag, dass der Wahlkampf für ihn zur Bildungsreise wird. Auf dem Weg zu mehr und besseren Jobs ist er aber ein Geisterfahrer, wenn er die Agenda 2010 zurückdrehen will."

BILD: Und wenn die drei Landtagswahlen im Frühjahr für die Union verloren gehen, tauschen Sie dann die Spitzenkandidatin aus?

Gröhe: „Das wird nicht passieren. Wir werden alles dafür tun, dass im Saarland kein Links-Bündnis die erreichten Erfolge verspielt, kämpfen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen für einen politischen Neuanfang. Mein Heimatland NRW wird so dramatisch unter Wert regiert, dass ein Machtwechsel überfällig ist. Das Versagen bei der inneren Sicherheit macht NRW zum Sicherheitsrisiko für ganz Deutschland."

BILD: Was wird Ihr roter Faden im Wahlkampf?

Gröhe: „Erfolge verteidigen, Sicherheit bewahren, Zukunft gestalten. Wenn man sich in Deutschland und der Welt umsieht, geht es uns wahrlich gut. Deshalb ist der Kern unseres Wahlkampfs die Verteidigung dieses Erfolgsmodells."

BILD: Wann geht's los?

Gröhe: „Sofort. Wir stellen den SPD-Kandidaten ab jetzt. Er schwört die SPD auf einen Linkskurs ein und will mit dem Abschied von der Agenda 2010 Rot-Rot-Grün vorbereiten. Deshalb müssen wir ab jetzt seinen Linkskurs und seine Faktenschwäche offenlegen. Keine Ahnung ist schließlich noch keine Meinung."

BILD: Martin Schulz ist aus der Union mehrfach mit US-Präsident Trump verglichen worden. Finden Sie das passend?

Gröhe: „Trump ist leider Präsident, Schulz aber wird nicht Kanzler. Deshalb ist der Vergleich nicht so treffend. Auch die Frisur unterscheidet sich."