"Berliner Notizen": Gesundheitsinformationen...? Klar - immer!

Artikel, 03.07.2017
Foto: BMG / Schinkel

In seinen aktuellen "Berliner Notizen", die am 1. Juli 2017 im Neusser "Stadt-Kurier" erschienen sind, berichtet Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe diesmal vor allem vom "Startschuss" für die "Allianz für Gesundheitskompetenz".

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gute Politik lebt immer davon, Kräfte zu bündeln und gemeinsame Sache zu machen, um bestehende Herausforderungen zu meistern. Das ist auch mit Blick auf das gesundheitliche Wissen vieler Menschen in unserem Land nötig. Rund 54 Prozent, also mehr als die Hälfte der gesamten Bevölkerung in Deutschland verfügt nur über eine "eingeschränkte Gesundheitskompetenz". Das heißt: Diese 54 Prozent haben Schwierigkeiten, gesundheitliche Informationen zu finden, zu bewerten und die richtigen Entscheidungen für eine gesunde Lebensweise oder zur Krankheitsbewältigung zu treffen. Um das zu ändern, wurde die "Allianz für Gesundheitskompetenz" ins Leben gerufen, deren Gründung vor Kurzem im Bundesgesundheitsministerium in Berlin erfolgte.

Wir brauchen dringend mehr Gesundheitsinformationen, die gut zu verstehen sind. Denn nur wer gut informiert ist, kann Gesundheitsgefahren vermeiden und im Krankheitsfall durch eigenes Verhalten zu einer erfolgreichen Behandlung beitragen. Das Ziel der neuen "Allianz für Gesundheitskompetenz" ist daher klar: Das Bundesgesundheitsministerium und insgesamt 14 Partner haben sich in einer gemeinsamen Erklärung dazu verpflichtet, in ihrem Zuständigkeitsbereich Maßnahmen zur Verbesserung des Gesundheitswissens in der breiten Bevölkerung zu entwickeln und umzusetzen. Die Verbesserung der Gesundheitsbildung, gute Gesundheitsinformationen und Entscheidungshilfen (vor allem auch im Internet) sowie mehr Verständlichkeit im Arzt-Patienten-Gespräch und allen anderen Gesundheitsberufen sind wichtige Handlungsfelder der Allianz. Die Herausforderungen sind umfassend - und umso entschlossener packen wir sie an!

Vielfalt ist entsprechend die große Stärke des entstandenen Bündnisses. Das Bundesgesundheitsministerium ist - natürlich - ebenso an der Allianz beteiligt wie die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der einzelnen Bundesländer und z. B. die Bundesärztekammer und die Bundeszahnärztekammer, die Deutsche Krankenhausgesellschaft oder auch der Deutsche Pflegerat und die Verbraucherzentrale... - Ja, erforderlich ist ein echter Kraftakt von Ärztinnen und Ärzten, Pflegekräften, Krankenhäusern und Krankenkassen, Apotheken, der Selbsthilfe- und Verbraucherorganisationen und der Behörden von Bund und Ländern. Einigkeit macht stark! Und mit Blick auf das Gesundheitswissen soll sie so schnell wie möglich auch schlau (bzw. schlauer als bisher) machen. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass uns Dr. Eckhart von Hirschhausen, erfahrener Mediziner und  bestens unterhaltsamer Comedian, bei der Gründung der Allianz unterstützt hat!

Ein großes Ziel: Gesundheitsinformationen sollen klar und zugleich immer einfach verfügbar sein. Oftmals ist es schwierig, im "Dschungel" an verfügbaren Gesundheitsinformationen den Durchblick zu behalten. Das gilt auch und gerade online. Das Bundesgesundheitsministerium hat deshalb das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) beauftragt, bis 2018 die Planungen für ein Nationales Gesundheitsportal auszuarbeiten. Das geplante Portal soll vertrauenswürdige, wissenschaftlich belegte und unabhängige Gesundheitsinformationen zusammenführen und bereitstellen.  Und um das Arzt-Patienten-Gespräch zu verbessern, hat das Bundesgesundheitsministerium im Rahmen des Nationalen Krebsplans die Entwicklung eines Musterlehrplans "Kommunikation in der Medizin" gefördert. Dieser vermittelt Studierenden der Medizin über den gesamten Verlauf ihres Studiums Fähigkeiten, das Wissen rund um Krebserkrankungen und zu entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten verständlich zu erklären. Ein vergleichbarer Musterlehrplan für den ebenso wichtigen Bereich der Pflege wird derzeit erarbeitet... Ja, der noch bestehende "Dschungel" an gesundheitsbezogenen Informationen soll Schritt für Schritt immer besser gelichtet werden und zu durschauen sein!

Abschließend eine kaum bekannte Tatsache: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden drei bis fünf Prozent der Gesundheitsausgaben durch eine unzureichende Gesundheitskompetenz verursacht. Allein für Deutschland bedeutet dies etwa 9 bis 15 Milliarden Euro. Eine bessere Gesundheitskompetenz wird sich daher für jede und jeden Einzelnen, aber auch für unser Gemeinwesen im wahrsten Wortsinne auszahlen... Auf geht’s, das Ziel ist bekannt, der Weg liegt vor uns!

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin

Ihr Hermann Gröhe

Mitglied des Deutschen Bundestages

Bundesminister für Gesundheit

www.hermann-groehe.de

(Erschienen unter dem Titel "Jeder Zweite versteht seinen Arzt nicht...!" im Neusser "Stadt-Kurier" vom 1. Juli 2017.)