Aus der Brache wurde eine Skyline

Artikel, 19.12.2014

Rundblick mit dem Smartphone auf Berlin-Mitte: Die aktuellen „Berliner Notizen“ von Hermann Gröhe sind auf dem Dach unseres Parlaments entstanden und wurden am vergangenen Mittwoch im „Erft-Kurier“ veröffentlicht.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Berlin, so heißt es, ist „eine Stadt im Wandel“ und „eine Stadt der Gegensätze“. Das stellen viele Reisegruppen fest, die mich in Berlin besuchen und dabei auch auf die Kuppel des Reichstagsgebäudes steigen. Wenn man sich von hier aus umsieht und auf Berlin-Mitte blickt, werden Wandel und Gegensätze unserer Hauptstadt besonders deutlich. Ich habe neulich einen sonnigen Herbsttag genutzt, um nach dem letzten Abendtermin noch ein wenig auf dem Dach unseres Parlaments durchzuatmen. Auf der Suche nach einem geeigneten Thema für die „Berliner Notizen“ kam mir dabei die Idee, einmal ganz touristisch den Rundblick zu schildern. Also: Smartphone gezückt, Kamerafunktion eingeschaltet und Ausschau gehalten!

Der Ausblick nach Osten ist vom Bundestag aus eindrucksvoll. In der Abendsonne leuchten die herrliche Kuppel des Berliner Doms, der Turm des Französischen Doms, die goldene Kuppel der Neuen Synagoge, das grüne, gewölbte Dach der St.-Hedwigs-Kathedrale und der ehrfurchtgebietende Fernsehturm am Alexanderplatz - und nicht weniger als 14 Baukräne. Diese sind es dann auch, die mich von meinem Foto abhalten, denn es gibt schönere Anblicke als jenen Wald von Kränen, unter denen das „Humboldt-Forum“ entsteht.

Das bringt mich zur Nordseite des Dachs - und damit an die Spree. Baukräne auch hier, das ist klar. Dann fällt der Blick auf zwei Bundestagsgebäude, das Paul-Löbe-Haus und das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zu beiden Ufern der Spree. Wenn man sodann nach Nordwesten blickt, erinnert der Berliner Hauptbahnhof daran, dass Berlin-Mitte in den Jahren nach dem Regierungsumzug zum Schauplatz eines edlen Architektenwettstreits wurde: Bundestagskuppel gegen Bahnhofsfassade, Sir Norman Foster gegen Meinhard von Gerkan.

Wiederum gehe ich ein paar Schritte, und diesmal blicke ich nach Westen. Neben dem Bundeskanzleramt und anschließend an die weite Grünfläche vor dem Bundestag zeigt sich der Tiergarten golden: Baumkronen in herbstlichen Farben schimmern so weit das Auge reicht, ein herrlicher Anblick. Über dem dicht bewaldeten Tiergarten ragen mehrere Wahrzeichen aus der alten „City West“ hervor: Das Carillon, ein 42 Meter hohes Glockenspiel neben dem Haus der Kulturen der Welt, die Siegessäule auf dem Großen Stern und in weiter Ferne der sich drehende Mercedes-Benz-Stern auf dem Europacenter am Kurfürstendamm. Den Ausblick auf diesen Stern kenne ich noch aus meiner Zeit als CDU-Generalsekretär bis zum Dezember 2013: Mein Büro im Konrad-Adenauer-Haus am anderen Ende des Tiergartens lag günstig. Ich überlege, ob ich die Victoria auf der Siegessäule fotografieren soll. Aber dann wäre jene Behauptung aus alten Reiseführern aufzuschreiben, die Statue auf der Siegessäule werde im Berliner Volksmund als „Goldelse“ bezeichnet - und das lässt den Leiter meines Bundestagsbüros immer mit den Augen rollen. „Herr Gröhe, ganz ehrlich: Das sagt kein Mensch - zumindest kein Berliner...“ OK, das muss mein Mitarbeiter wissen, denn der ist ein echter „Berliner Junge“.

Ich gehe also zur Südseite. Hier halte ich inne: Der Blick auf das Holocaust-Mahnmal erinnert an die Schrecken der Nazi-Tyrannei und damit an das dunkelste Kapitel der deutschen Zeitgeschichte. Erinnerungen an das Brandenburger Tor, das von der Südseite des Dachs ebenfalls gut zu sehen ist, habe ich in meinen vorherigen „Berliner Notizen“ aufgeschrieben. Das Foto für die Kolumne, die Sie gerade lesen, habe ich daher mit Blick auf den Potsdamer Platz aufgenommen. Das futuristische Dach auf dem Sony-Center neben dem „Tower“ der Deutschen Bahn ist vielleicht das deutlichste Zeichen dafür, wie wandlungsfähig und vielfältig die Architektur in Berlin ist. Das Foto ist übrigens noch eindrucksvoller, wenn man bedenkt, dass der heutige Potsdamer Platz beim Mauerfall vor 25 Jahren eine graue, staubige Brache war.

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin
Ihr
Hermann Gröhe

Mitglied des Deutschen Bundestages
Bundesminister für Gesundheit
www.hermann-groehe.de