„Berliner Notizen“: Diese Wahl ist entschieden

Artikel, 23.04.2014

In seinen aktuellen „Berliner Notizen“ im Neusser Stadt-Kurier berichtet Hermann Gröhe von der Organspendebereitschaft in Deutschland und von der Vorbereitung zur Fortsetzung der Kampagne „Das trägt man heute: den Organspendeausweis“.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das werden Sie vielleicht nicht gewusst haben. Sonya Kraus, das strahlend blonde Gesicht auf Pro7, Kati Wilhelm, die mehrfache Olympia-siegerin im Biathlon, Klaus J. Behrendt, der „Tatort“-Kommissar ‚Max Ballauf‘, Markus Lanz, der mehrfach ausgezeichnete ZDF-Moderator, und Matthias Steiner, Olympiasieger im Gewichtheben, haben eines gemeinsam: Sie haben einen Organspendeausweis ausgefüllt.

Wie, das war Ihnen bereits bekannt? OK, gut, dann haben Sie also seit dem vergangenen Jahr eines oder alle Plakate der Kampagne „Das trägt man heute: den Organspendeausweis“ gesehen, auf denen die genannten Prominenten für die Organspende werben. Ich habe den Start dieser bundesweiten Plakataktion im Jahr 2013 ausdrücklich begrüßt, und als Bundesminister für Gesundheit habe ich bereits kurz nach meinem Amtsantritt für die Organspende geworben, denn: Wer sich persönlich für eine Organspende entscheidet, kann Leben retten. Zugleich ist klar, dass es uns allen passieren kann, auf eine Organspende angewiesen zu sein. Auch diese Tatsache verdeutlicht die Bedeutung der Frage nach der Organspende.

Daher bedauere ich, dass die Organspendebereitschaft in Deutschland viel zu gering ist. Im vergangenen Jahr ist sie auf den tiefsten Stand seit 1997 - dem Jahr als das Transplantationsgesetz beschlossen wurde - gesunken. Das skandalöse Fehlverhalten an einzelnen Transplantationskliniken hat uns alle erschüttert und viel Vertrauen gekostet. Solches Fehlverhalten zukünftig zu unterbinden, ist eine wichtige Aufgabe.

Zugleich bin ich froh darüber, dass die Arbeiten für eine erweiterte Fortsetzung der Kampagne „Das trägt man heute: den Organspendeausweis“ derzeit im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und in der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) zügig voranschreiten. BMG und BZgA setzen auf Anzeigen in vielen verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, auf die schon genannten Plakate, auf Spots im Fernsehen und im Kino und natürlich auf das Internet, um neue Zielgruppen dazu zu bewegen, sich mit der Frage zur Organspende zu befassen. Wir üben in dieser Frage keinen Zwang aus, aber ich betone auch: Ich halte es für angemessen, dass sich jede und jeder Gedanken um die Organspende macht und dabei eine Entscheidung trifft.

Der Organspendeausweis gibt, wenn er ausgefüllt ist, eindeutig darüber Auskunft, ob jemand im Ernstfall zur Organspende bereit ist oder nicht. Der kreditkartenförmige Ausweis mit seinem blau-orangenen Kopfbereich steht daher auch in Zukunft im Mittelpunkt der „Das trägt man heute“-Aktion.

Das Plakat mit dem freundlich lächelnden Matthias Steiner war mit einer sehr schönen Anspielung auf seine zahlreichen Erfolge als Gewichtheber verbunden. „Wiegt nichts, hat aber trotzdem viel Gewicht“, ist auf den Plakaten zu lesen, auf denen der Sportler seinen Organspendeausweis vorzeigt. Wenn ich das einmal auf meine Erfahrungen als gewählter Volksvertreter übertrage: In der Politik hängt immer viel vom nächsten Wahlsonntag ab, dessen Ausgang oft unvorhersehbar ist. Aber diese Wahl ist entschieden: Ich bin zur Organspende bereit und trage meinen Ausweis stets bei mir.

Es grüßt Sie herzlich aus Berlin
Ihr Hermann Gröhe